Was ist Soziologie technikwissenschaftlicher Richtung - und was hat das mit Autos zu tun?

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich eine völlig neue Wissenschaftsdisziplin mit einem Ziel, das bis dahin nur am Rande von der Wissenschaftslandschaft berührt wurde: Die Erklärung und Beschreibung von Gesellschaft. So schrieb einer der Gründerväter dieser Disziplin, Max Weber: “Soziologie ... soll heißen: eine Wissenschaft, welche soziales Handeln deutend verstehen und dadurch in seinem Ablauf und seinen Wirkungen ursächlich erklären will.” Sozial ist aber hierbei entgegen dem umgangssprachlichen Gebrauch nicht mit einer Wertung verbunden. Sozial handelt jeder Mensch, egal ob damit etwas gutes, hilfreiches oder das genaue Gegenteil erreicht werden soll. Sozial heißt hier das andere Menschen aktiv oder passiv das Handeln beeinflussen.

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Die Soziologie hat das Verstehen des Handelns und des Zusammenwirkens von Menschen, die an einer Gesellschaft teilnehmen, zum Thema. Was eine Gesellschaft ist, ist dabei immer auch vom Kontext abhängig: Gesellschaft kann Europa sein, kann der Staat sein, in dem man lebt, die Stadt, die Organisation für die man tätig ist, der Wochenmarkt oder einfach die Menschen, die sich um einen herum gruppieren. Alles, was in einer Gesellschaft passiert, hat immer auch mit den anderen Menschen in dieser Gesellschaft zu tun. Vieles spielt sich dabei unterbewusst, automatisiert oder routiniert ab: Warum schütteln wir uns beim Begrüßen die rechte Hand? Warum sehen wir uns beim Sprechen in die Augen ,während in anderen Gesellschaften der direkte Blickkontakt als Beleidigung angesehen wird? Warum wird nach einer Rede oder dem letzten Akt eines Theaterstücks in die Hände geklatscht um Anerkennung auszudrücken, während nach einer universitären Vorlesung jedoch mit der Faust auf den Tisch geklopft wird?

All dies sind kulturelle Rituale, die sich in unterschiedlichen Gesellschaften oft anders darstellen. Und gerade weil dies alltägliche Handlungen sind, ist es so schwer, diese zu erkennen. Die Soziologie bedient sich daher empirischer Methoden, z. B. kontrollierter Beobachtungen, die Aussagen über Regelmäßigkeiten und Wahrscheinlichkeiten sozialer Prozesse ermöglichen sollen. Aber nicht nur auf der Ebene des Alltäglichen versucht die Soziologie Zusammenhänge zu erkennen: Warum zum Beispiel sank die Geburtenrate in Ostdeutschland nach dem Fall der Mauer so rasant? Warum wird die Kluft zwischen Arm und Reich in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich größer und warum leben die Menschen in ländlichen Gebieten durchschnittlich länger als Einwohner von Großstädten?

Seit es Menschen gibt, verwenden diese auch Objekte in ihren Handlungen, um gewisse Ziele zu erreichen. Während unsere Urahnen noch mit Speer und Axt auf die Jagd gingen, um ihre Familie zu ernähren, reicht heute ein Gang in den Supermarkt um die Ecke, um dem Kühlschrank zu füllen. Die ursprüngliche Technik, Tiere zu jagen und zuzubereiten um Nahrung aufzunehmen, hat sich gewandelt. Wir bedienen uns nun einer anderen Technik: Durch die Arbeitsteilung hat sich die Gesellschaft differenziert und verschiedene Techniken greifen ineinander, um zu einem ähnlichen Ziel zu gelangen: Die einen kümmern sich um die Nahrungsbeschaffung (z.B. die Züchter, Landwirte), wieder andere kümmern sich um die Verarbeitung, andere um den Transport, und wieder ganz andere um den Verkauf im Supermarkt. Und diese komplexe Kette von zusammenhängenden Handlungen trifft nicht nur auf die Nahrungsbeschaffung zu: Kinder werden in einem Krankenhaus geboren, kommen in eine Kindertagesstätte, in die Schule, erlernen einen Beruf und sollen somit Geld verdienen. Dies alles ist eine große Kette von Erziehung und Bildung, die in unserer Gesellschaft fest eingeschrieben ist. Wie genau jeder einzelne Abschnitt in diesem großen Kettenwerk funktioniert, ist wiederum von spezifischen Techniken bestimmt: Erziehungstechniken, Bildungstechniken und Erwerbstechniken.

Man kann also schon erahnen, dass das Wort Technik im soziologischen Sinn mehrere Bedeutungen hat: Zum Einen alles künstlich vom Menschen zur Erwirkung eines Ziels geschaffene (z.B. der Hammer, der Computer, aber auch das Auto), zum Anderen aber eben auch die Techniken, die die Menschen besitzen, um bestimmte Ziele zu erreichen. Dies können eben auch Techniken sein, die ganz ohne ein geschaffenes Objekt (oder Artefakt) auskommen.


Nicht immer formen die Menschen die Technik, oft formt auch die Technik die Menschen, die gar nichts mehr mit der Erfindung der Technik zu tun haben. Zum Beispiel müssen wir alle erlernen, mit der Tastatur des Computers zu schreiben. Die Anordnung der Tasten hat aber keinesfalls etwas mit Ergonomie oder leichter Erlernbarkeit zu tun: Als die ersten Schreibmaschinen erfunden wurden, hatten die Entwickler damit zu kämpfen, dass sich die mechanischen Buchstabenanschläge die kurz hintereinander gedrückt wurden immer ineinander verhakten. Sie lösten dieses Problem, indem sie die Buchstaben, die beim Schreiben am meisten benutzt werden, einfach möglichst weit voneinander entfernten. Dieses so genannte QWERTY-Layout hat sich bis heute durchgesetzt, obwohl die mechanischen Probleme des Verhakens schon lange nicht mehr existieren.

Kurzum: Technik ist einfach nicht mehr aus der Gesellschaft wegzudenken. Technik wird von der Gesellschaft gemacht und wirkt andererseits wieder auf die Gesellschaft zurück.
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Seit es Technik gibt, gibt es auch Technik-Interessengemeinschaften. So gibt es z.B. bis heute eine große Anhängerschaft eines alternativen Tastaturlayouts, das mit einer optimalen Verteilung der Zeichen vor allem die Ergonomie verbessern soll, die so genannte Dvorak-Tastaturbelegung?. Oder eben - und das ist für uns das derzeit ja bekanntlich interessanteste Phänomen - Menschen, die sich in einer Gemeinschaft zusammenfinden, in deren Mittelpunkt ein Auto steht. Und die Bedeutung, die dabei das Auto spielt, muss dabei nicht der technischen Bedeutung des Automobils entsprechen: Es geht bei technischen Objekten wie schon erwähnt nicht immer um das Ziel, zu dem das Objekt geschaffen wurde. Das Auto ist nicht nur ein Fortbewegungsmittel. Es ist ein Produkt von vielen zusammenwirkenden gesellschaftlichen Faktoren. Das Auto ist geprägt von verschiedensten Interessen: Für den einen ist das Auto Statussymbol, für den anderen ein Symbol der Freiheit, für andere wiederum ein Ausdruck des individuellen Charakters. Und das Erleben einer gemeinsam geteilten Begeisterung für ein Auto hat wiederum um einiges mehr Faktoren, die es zu untersuchen gilt. Erst recht bei einem so interessanten Auto wie dem Fiat 500 und den Menschen, die eine gemeinsame Begeisterung für dieses Auto teilen. Und daher freuen wir uns besonders darauf, mehr von eurer Gemeinschaft zu erfahren und etwas von dieser Welt des kleinen Fiat 500 erleben zu können.

geschrieben von Richy Bretzger